Fahren Sie die Zürcher Formel-E-Strecke mit

Audi-Star-Pilot Daniel Abt erklärt den E-Prix-Kurs

Der Deutsche Daniel Abt (25) fährt für Audi Sport ABT Schaeffler in der ABB FIA Formula E Championship. Am 10. Juni startet er am Zürcher E-Prix, dem ersten Rundstreckenrennen der Schweiz seit über 60 Jahren.

Herr Abt, Sie sind in Kempten im Allgäu aufgewachsen, ganz in der Nähe zur Schweiz. Wird der E-Prix in Zürich am 10. Juni ein Heimspiel?
Absolut! Das ist die Strecke, die am nächsten zu meiner Heimat liegt, deswegen fühlt sich das so an. Familie, Freunde, Partner, alle werden vor Ort sein.

Ihr Vater ist Hans-Jürgen Abt, Geschäftsführer des Audi-, Skoda- und VW-Tuners Abt Sportsline. Sie haben Benzin im Blut – und jetzt fahren Sie einen Rennwagen mit Elektromotor. Fehlt ihnen der Motorenlärm?
Überhaupt nicht! Natürlich bin ich mit Verbrennungsmotoren aufgewachsen und jeder, der den Klang eines schönen V8-, V10- oder V12-Motors kennt, der weiss, was das bedeutet und welche Emotionen dazugehören. Aber ich konnte mich genauso gut mit Elektromotoren anfreunden. Die machen mir sehr viel Spass. Die haben ihre Vorteile und Stärken – man muss sich nicht auf die eine oder andere Seite stellen. Ich mag beides.

Wann machen Elektromotoren mehr Spass?
Die Beschleunigung ist ganz anders. Und dadurch, dass man kaum Motorengeräusche hat, ist das Beschleunigungsempfinden ganz anders. Es fühlt sich sehr schnell an, das ist sehr cool. Und dann das Drehmoment! Man steht aufs Gas und hat fast sofort die volle Leistung, beim Verbrenner hat man eine Verzögerung. Das ist ein schönes Gefühl.

Daniel Abt erklärt den E-Prix-Kurs vom 10. Juni

Sie haben sich die Renn-Sporen mit herkömmlichen Motoren abverdient, jetzt fahren Sie Formel E. Was ist der grosse Unterschied?
Die Batterie ist einheitlich bei allen Wagen, das Reglement gibt einen gewissen Leistungsoutput vor. Die Teams entwickeln Software und Motor und machen eigene Einstellungen, aber all das betrifft einen feinen Bereich. Das führt dazu, dass alle Piloten voll mitfahren können, Sieger und Verlierer stehen nicht schon vor dem Rennen fest.

Rennerfolge sind also eher dem Fahrer als dem Auto zu verdanken?
Es liegt immer an beidem. Es geht ums Zusammenspiel, der Pilot muss immer performen, egal, ob das Auto gut ist oder nicht.

Fahren Sie auch privat elektrisch?
Ich fahre auch einen Audi Q7 e-tron. Einen Hybrid, kein vollelektrisches Auto. Ich fahre auch gern mal einen Verbrenner – ich bin Fan von beidem. Das kann man ja auch sein.

Daniel Abt bei seinem letzten Formel-E-Sieg am 3. März 2018 in Mexico City.
Daniel Abt bei seinem letzten Formel-E-Sieg am 3. März 2018 in Mexico City.

Ende Jahr kommt der e-tron auf den Markt, der erste vollelektrische Audi. Haben Sie schon einen vorbestellt?
Bis jetzt noch nicht, aber ich hab schon mal angemerkt, dass ich auf jeden Fall sehr grosse Lust drauf hätte, vielleicht passiert ja was. Ich denke, dass das ein sehr schönes Auto wird. Und ich freue mich drauf, dass man bald den ersten vollelektrischen Audi zu sehen bekommt.

Anfang Woche wurde der e-tron Vision Gran Turismo vorgestellt, ein 815-PS-Konzeptauto, das auf der Formel-E-Strecken als Renntaxi im Einsatz sein wird. Auch in Zürich. Fahren Sie den auch?
Nein, das machen andere. Wir müssen uns bei den Rennen auf unser Thema konzentrieren. Aber ich bin am Montag ein paar Runden gefahren. Der ist mega!

Die Namen Abt und Audi gehören zusammen. Ist es Zufall, dass Sie jetzt für ein Audi-Team fahren?
Wir arbeiten seit über 30 Jahren mit dem Volkswagen-Konzern und Audi zusammen. Im Motorsport wie bei den Strassenautos. Das ist eine besondere Partnerschaft. Dass man Audi-Werksfahrer wird, das passiert nicht einfach so, für mich ist das eine grosse Ehre. Wenn man Rennfahrer ist, will man Werksfahrer werden. Bei mir war es von Anfang an klar, ich welche Richtung es hoffentlich geht, deshalb ist es besonders schön, für Audi zu fahren.

Formel E ist eine junge Serie. Wie sind sie da überhaupt hingekommen
Die Formel E startete in einer Zeit, als ich schauen musste, welchen Schritt ich mache, um Profi zu werden. Ganz am Anfang war es überhaupt nicht so, dass Profis mitfahren. Wir wurden ein bisschen belächelt. Ich habe es als Chance gesehen, mich zu etablieren. Heute sind sehr viele neidisch, dass sie sich nicht früher darauf gestürzt haben.

Sie sind von Anfang an bei der Formel E dabei. Wie ist es, eine neue Serie zu etablieren?
Am Anfang war alles neu – für alle. Das erste Rennen war in Peking, im Olympiastadion – dort ist vorher noch niemand gefahren! Das Positive daran ist, dass alle Teil davon sind, und es fühlt sich an, wie wenn man gemeinsam ein Unternehmen gross macht – obwohl wir ja auch Konkurrenten sind. Das schafft diese gute Atmosphäre in der Formel E. Irgendwann wird das kein Startup mehr sein, vielleicht ist das schon jetzt nicht mehr so, aber es fühlt sich so an.

«Alle wollen gewinnen, kein Werk will verlieren»

Für Daniel Abt ist die Formel E «der beste Abschnitt meiner Karriere». (Keystone)

Wie ist das Verhältnis unter den Piloten?
Für mich ist es das erste Mal in meiner Karriere, dass ich das Gefühl habe, dass sich alle Fahrer mögen und respektieren. Natürlich will jeder alle anderen schlagen, aber die Stimmung ist anders in dieser Serie. Wir fahren Rennen, wir wollen uns überbieten, aber neben der Strecke verstehen wir uns, gehen gemeinsam essen, haben Spass. Für mich persönlich ist das der beste Abschnitt meiner Karriere.

Die Formel E entwickelt sich ständig weiter. In der nächsten Saison kommen neue Autos mit neuer Technik – was erwarten Sie?
Das wird viel verändern – und die neuen Hersteller auch. Porsche, Mercedes, BMW und Audi auf einer Rennstrecke, wann gab es das zuletzt? Alle wollen gewinnen, kein Werk will verlieren. Das wird spannend. Für den Fan, für den Zuschauer, für die Serie.

Es gibt immer noch Motorsport-Fans, welche die Formel E belächeln, zum Beispiel wegen des «Fan Boosts». Ist das noch Rennsport?
Die Formel E ist superernster Sport. Das ist Fakt. Keine Spassveranstaltung, es geht um sehr viel. Ein harter Konkurrenzkampf, hartes Racing. Aber im Endeffekt muss man sich die Frage stellen: Warum gibt es denn generell Sport? Beim Fussball geht es nicht darum, dass sich elf Menschen auf dem Platz freuen. Auch dieser Sport lebt davon, dass es Fans gibt, dass das Publikum unterhalten wird. Auch im Motorsport müssen die Zuschauer zuerst mal unterhalten werden. Andere Rennserien und andere Sportarten haben das teilweise verpennt. Meiner Meinung nach muss der Sport entertainen, sonst bringt der ganze Rest nichts. Ich nehme die Formel E sehr ernst, aber es ist auch unser Auftrag, die Leute zu begeistern.

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