Fahren Sie jetzt die Berner Formel-E-Strecke mit

In welcher Kurve wird es beim Formel-E-Rennen in Bern richtig spannend? Im E-Prix-Streckenvideo mit dem Audi-DTM-Piloten Nico Müller (27) erfahren Sie, worauf die Piloten achten müssen.

Mit dem Swiss E-Prix findet in Bern erstmals seit 1954 ein Rundkurs-Rennen statt. Damals wurde am Stadtrand Gas gegeben, das Rennen 2019 wird im Zentrum ausgetragen.

Vom Startgelände aus haben Fahrer und Zuschauer Sicht auf die Berner Altstadt. Neben dieser idyllischen Kulisse hat es die 2,75 Kilometer lange Strecke fahrtechnisch in sich. «Die steilen Strassen machen den Berner Rundkurs weltweit einzigartig», sagt Stephan Oehen, Mediensprecher der Rennorganisatorin Swiss E-Prix Operations. Bereits das Start-Ziel-Gelände hat eine leichte Steigung.

Gegen diese beschleunigen die Rennfahrer auf einer langen Geraden, bevor sie beim Rosengarten auf eine Haarnadelkurve treffen. Dort biegen sie in den Aargauerstalden ein, der neun Prozent Gefälle aufweist. Unten angekommen, wartet eine Schlüsselstelle. Der enge Kreisel beim Bärengraben wird für das Rennen nicht abgebaut und muss durchfahren werden. Danach geht es über den kleinen Muristalden hoch zurück in Richtung Startgelände – und dazwischen wartet eine Schikane, bei der nur ein Auto durchpasst.

Formel-E-Fieber in Zürich erleben

Ein Audi e-tron FE05 am Automobilsalon in Genf (AUDI AG)
Ein Audi e-tron FE05 am Automobilsalon in Genf (AUDI AG)

In Bern bolzen komplett neue Formel-E-Autos durch die Stadt: Die neuen Boliden haben verbesserte Akkus, die Fahrer müssen deshalb nicht wie beim E-Prix in Zürich zur Rennhälfte das Auto wechseln. Was in der aktuellen Saison sonst noch alles anders ist, erfahren Sie hier.

Auch der Look der Autos neu: Der riesige Heckflügel ist verschwunden, dafür sitzt am Ende des Autos jetzt ein gigantischer Diffusor. Fans nennen das neue Auto deshalb liebevoll «Batmobil». Wer den neusten Audi-Boliden schon vor dem Rennen mit eigenen Augen sehen will, kann das in Zürich tun: Ab dem 14. Juni bis kurz vor dem Berner E-Prix kann man einen Audi e-tron FE05 im brandneuen Audi e-tron experience center hautnah erleben. Alle weiteren Informationen finden Sie hier.

Bei diesen Herausforderungen für die Fahrer hat die Sicherheit Priorität: Rund 1000 Betonelemente, die bereits in Zürich im Einsatz waren, sichern die Rennstrecke gegen aussen, dahinter steht ein Metallzaun. Abgesehen davon sind die Berner Strassen praktisch renntauglich. «Wir müssen elf Verkehrsinseln entfernen und einige Schlaglöcher ausbessern. Zusätzlichen Belag braucht es nicht, die Strassen sind breit genug», sagt Marc Heeb, Co-Leiter des Polizeiinspektorats der Stadt Bern. Das Inspektorat betreut jährlich 1600 Veranstaltungen, das Rennen der ABB Formel E ist für Heeb ein «absoluter Top-Anlass». Er hat in Bern die EM 2008 begleitet, an der 150 000 holländische Fans die Stadt orange färbten. «Die Verhältnisse waren in der Altstadt teils chaotisch.

Heute sind wir im Bereich der Besucherlenkung viel weiter», sagt Heeb. Sein Team berechnet für den E-Prix, wie viele Personen in welchen Stadtteilen Platz finden. So können sie die Feinverteilung der über 100 000 Zuschauer steuern, die die Rennorganisatoren erwarten.

Hier heizen am 19. Juni 2019 die Strom-Boliden durch Bern. (Illustration: Marcel Aerni)
Hier heizen am 19. Juni 2019 die Strom-Boliden durch Bern. (Illustration: Marcel Aerni)

Die Zuschauer verfolgen das Rennen entlang der Strecke oder von kostenpflichtigen Tribünen aus. «Für die Bewohner des Obstbergquartiers stehen eigene Zuschauerplätze kostenlos zur Verfügung», sagt Mediensprecher Oehen. Um dieses Stadtquartier führt der Rundkurs. Für Autos ist es am Rennwochenende gesperrt, doch die Bewohner können die Strecke jederzeit überqueren: Drei Passerellen, teils mit Liften, werden installiert. Im Inneren des Rennrings sind Feuerwehrleute und Sanitäter mit ihren Fahrzeugen stationiert, damit sie bei einem Notfall nicht die Strecke überqueren müssen. Die Abdeckung des Quartiers mit Blaulichtorganisationen ist damit sogar höher als normal.

Rennprofi aus dem Berner Oberland

DTM-Bronze! Nico Müller am 18. Mai 2019 auf dem Podest in Zolder (Belgien).
DTM-Bronze! Nico Müller am 18. Mai 2019 auf dem Podest in Zolder (Belgien).

Nico Müller kennt den Motorsport – und Bern. Der 27-Jährige lebt in Thun und ist auf den Rennstrecken dieser Welt daheim. Seine Karriere begann 2004 im Kartsport, über Stationen in der GP3-Serie und in der Formel Renault 3,5 kam er 2014 in die DTM. Dort fährt Müller Audi: Zunächst startete er für das Audi Sport Team Rosberg, heute fährt er für Audi Sport Team ABT Sportsline. Als Test- und Entwicklungspilot für das Formel-E-Team Audi Sport ABT Schaeffler kennt er auch den Audi e-tron FE05 bestens, mit dem Lucas di Grassi und Daniel Abt am 22. Juni um den E-Prix-Sieg in Bern fahren.

Auch die Altstadt ist während des E-Prix im Ausnahmezustand. Von der Zytglogge bis zum Nydeggstalden breitet sich das E-Village aus. Dort zeigen beispielsweise Autohersteller Neuigkeiten aus der E-Mobilität, und das Rennen wird auf mehreren Leinwänden live gezeigt. «Neben der Sicherheit muss in der Altstadt auch der öffentliche Verkehr gewährleistet sein. Wir setzen dafür tagsüber mehrere kleine Züge ein, wie man sie von Tourismusorten kennt», sagt Heeb. Gespannt ist er auf einen spektakulären Bau am unteren Ende der Altstadt: Die historische Nydeggbrücke wird mit einer zehn Meter hohen Holzkonstruktion aufgestockt, in der Teams und Sponsoren bewirtet werden. «Firmen aus der Region führen die Arbeiten im Auftrag des Veranstalters durch», sagt Heeb.

Was die Stadt für den E-Prix leistet, verrechnet sie direkt der Rennorganisation. Steuergelder werden also nicht ausgegeben. Der Arbeitsaufwand ist hoch: Während der Vorbereitung und am Rennwochenende sind laut Oehen insgesamt rund 2500 Personen im Einsatz.

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