Smarter Stromer unter Spannung

Er steht den ganzen Tag unter Strom: Stephan Baumgartner hat sein Zuhause am Bodensee in ein smart home umgerüstet und wartet auf seinen neuen Audi e-tron. Aber lesen Sie, weshalb er trotzdem Feuer und Flamme ist für Glut und Asche.

Zu Hause in seiner Garage kann der selbständige Elektroinstallateur Stephan Baumgartner (44) am besten abschalten: «Wenn ich tüfteln und experimentieren kann, bin ich in meinem Element», verrät er. «Ich bin ein 100-Prozent-Stromer, begeistert von Elektromobilität, und versuche immer wieder, das eine oder andere Neuartige umzusetzen.»  

Verschrieben hat er sich den intelligenten und automatisierten Häusern. «Diese Smart Homes sind der Hammer: Sie sparen Zeit, machen das Leben der Bewohner einfacher und angenehmer und schonen erst noch die Umwelt.» Kommt hinzu: «Als selbständiger Elektroinstallateur teste ich neue Technologien zuerst bei uns zuhause, verbaue neue Geräte, bevor ich sie meinen Kunden empfehle. «Zum Teil auch zum Leid meiner Frau und unserer Kinder», sagt er und lacht.

Und so lebt es sich im Zukunftshaus der Baumgartners: Alles ist vernetzt und Stephan kann sämtliche Funktionen mit seinem Smartphone von überall aus steuern. «Wenn der Pöstler läutet und niemand zuhause ist, dann klingelt es bei mir auf dem Handy», so Baumgartner. Er kann nicht nur mit dem Briefträger sprechen, er sieht ihn auch gleich im Display. «Aus der Ferne kann ich das Garagentor öffnen – und der Pöstler kann mein Paket deponieren.»

Sehr angenehm: Der Hausherr wärmt im Winter seine Bodenheizung vor. Wenn er um 4 Uhr in der Früh noch schläft, startet die Heizung bereits ihren Dienst. «Zwischen 5 und 6 komme ich aus den Federn – und wenn ich ins Bad laufe, habe ich warme Füsse», freut er sich. Klar: Am Wochenende ist die Heizung auf Ausschlafmodus eingestellt.

Das ist nicht alles: Äusserst praktisch ist die automatische Beschattung. Im Sommer gehen die Storen bei Sonnenstrahlen automatisch runter und sorgen für kühle Räume. Und im Winter verhindern sie einen Wärmeverlust. Ein Bewegungssensor meldet via Handy, wenn sich ungebetene Gäste ums Haus treiben. Doch keine Angst: «Er ist so raffiniert eingestellt, dass er nicht bei jeder Katze reagiert.» Auf dem Handy-Bildschirm kann Baumgartner bequem vom Büro oder auch vom Strand oder der Skipiste aus beobachten, was sich zuhause rund um sein Haus tut.

«Cool finden das unsere 11- und 13-jährigen Kinder.» Mehr noch: Die Eltern können so spielerisch Umweltthemen mit den Kindern aufgreifen und diskutieren. Die Kids wissen, dass die Ressourcen auf der Erde endlich sind. Und ganz praktisch: «Das Problem mit verlorenen Schlüsseln haben unsere Kinder nicht. Ins Haus kommen sie per Fingerprint.» Einziger Nachteil: «Bei den Kindern müssen wir wegen ihres Wachstums etwa einmal im Jahr die Finger neu einscannen», sagt Baumgartner. Bei den Kindern spürt er auch sofort, ob eine gute Idee in der Praxis auch tatsächlich funktioniert: «Wenn sie zu viele Fragen stellen, dann muss ich noch einmal über die Bücher.»

Nur wenn es um eines seiner grossen Hobbys geht, bleibt selbst der 100 -Prozent-Stromer altmodisch: «Grillieren geht nicht mit Strom», sagt er entschieden. Da brauche es Feuer. Mit Kohle, Asche und Glut. Auch kommt bei ihm nie ein elektrisches Cheminée ins Haus: «Ein richtiges Feuer ensteht nur mit Holz aus heimischen Wäldern», sagt er. «Das muss knistern und knacken!»

Bereits hirnt Stephan am nächsten Projekt in Richtung Null-Energie-Haus: «Wir wollen einen Teil unserer Fassade mit Photovoltaik-Panels bestücken.» Bereits im Einsatz steht eine 32-Ampere-Ladestation, die teilweise via Sonnenenergie gespiesen wird. Diese braucht Stephan Baumgartner für das Laden seines neuen Autos: «Ich freue mich wie ein kleines Kind auf den neuen Audi E-tron.»

Er ist ein Elektroautomobilist der ersten Stunde: «Schon anfangs der 90-er Jahre bin ich in der Lehre mit einem ‹Pingu› als Geschäftsauto im Raum Kreuzlingen unterwegs gewesen», erinnert er sich. Damals fand er das allerdings gar nicht lustig: «Ich fragte den Chef, was ich ihm Böses angetan habe, dass ich mit einem solchen Gefährt auf die Strasse müsse?» Viele Velofahrer seien mit dem leisen, Smart-ähnlichen Vehikel überfordert gewesen. Es erreichte eine Spitze von rund 70 km/h, doch bei diesem Tempo war der Akku schnell leer. Nach anfänglichen Bedenken war Baumgartner aber schon damals überzeugt: Eigentlich würden Elektroantriebe in Autos funktionieren. Diese Überzeugung ist geblieben: Für ihn ist der Elektromotor der Antrieb der Zukunft. «Ob mit Batterie, Wasserstoff oder Brennstoffzelle – das werde sich zeigen.» Der Erfinder dieses marktfähigen Speichermediums werde der nächste Bill Gates sein, ist er überzeugt.

Nach seinem Start mit ‹Pingu› dauerte es zwanzig Jahre, bis er wieder elektrisch unterwegs war. Als der Markt bereit war, zögerte Stephan Baumgartner keine Sekunde. «2015 kaufte ich einen Tesla. Ein tolles Auto, das immer wieder mit Gadget-Updates auf den neuesten Stand gebracht wurde.» Doch als langjähriger Audi-Fahrer wartete Baumgartner sehnlichst auf einen 100-Prozent-Stromer aus Ingolstadt. «Ich kenne die Qualitätsansprüche der Marke – jetzt gibt es das Bewährte mit Elektromotor.» Der Vielfahrer legt im Jahr etwa 50 000 Kilometer mit dem Auto zurück. «Da kann ich Kosten und Energie zum Wohle der Umwelt sparen.» Allein beim Benzin sind es monatlich 800 bis 1000 Franken.

Die oft kritisierte mangelnde Reichweite ist für ihn kein Problem: «Der e-tron soll 400 Kilometer schaffen. Diese Strecke lege ich jährlich nur wenige Mal an einem Stück zurück», sagt er. «Und wenn, dann muss ich einen Mittagshalt einplanen. Dann kann ich das Auto bequem aufladen.» Es sei alles eine Sache von Planung und Organisation. Es gibt auch eine Strecke, die er nie mit dem Auto fährt: «Von Zürich nach Bern nehme ich die SBB.» Das werde erst ändern, wenn autonome Autos unterwegs seien: «Dann kann ich in Ruhe im Auto arbeiten.»

Und wenn der vielbeschäftigte Baumgartner selber Energie tanken möchte, schwingt er sich auf sein Stromer-E-Bike und geniesst die Fahrt über den Seerücken, den Ausblick auf das wunderschöne Thurgau und den Bodensee. «Gut abschalten kann ich auf meinem Stand-up-Paddling oder im Schiessstand.» Beim 300-Meter -Schiessen sei er gezwungen, einen Gang runterzuschalten, «sonst treffe ich nicht». Fest steht für ihn aber: «Den nächsten Volltreffer lande ich eh nicht im Schiessstand – das wird mein neues Elektroauto!»

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