«Schön, dass wir so etwas in der Schweiz haben»

Ein Sonntag voller Sieger: In Zürich ist am 10. Juni der internationale Automobilrennsport in die Schweiz zurückgekehrt, Audi-Pilot Lucas di Grassi fuhr im Audi beim 1. Zürcher E-Prix aufs Podest und Ski-Star Lara Gut hielt sich als Beifahrerin im Audi e-tron Vision Gran Turismo auf der ABB FIA Formula E Championship-Strecke wie ein Champion.

Er schaut schnell aus. Wahnsinnig schnell. Wo der Audi e-tron Vision Gran Turismo vorfährt, zieht er die Blicke auf sich. Dass er tatsächlich auch schnell ist, hat der vollelektrische Prototyp am 10. Juni auf der Zürcher E-Prix-Strecke bewiesen: Aus dem Stand beschleunigt er wie ein Geschoss, zieht blitzschnell an den Formel-E-Zuschauertribünen vorbei. Und wirkt dabei fast wie eine optische Täuschung: Man erwartet Motorenlärm, stattdessen gleitet er dank verschiedenen Komponenten aus dem Serien-e-tron fast geräuschlos über den Asphalt.

Der Audi e-tron Vision Gran Turismo fährt in die Zürcher Start-Ziel-Gerade. (Sven Thomann)
Der Audi e-tron Vision Gran Turismo fährt in die Zürcher Start-Ziel-Gerade. (Sven Thomann)

Wer nicht mitfahren darf, schaut ein bisschen neidisch hinterher. An diesem Sonntag zum Beispiel Nati-Spieler Valon Behrami (33), der am Pistenrand warten muss. Auf seine Freundin, Ski-Star Lara Gut (27). Sie hat im Beifahrersitz des Renn-e-trons Platz genommen, der Italiener Rinaldo «Dindo» Capello (53) zeigt ihr Zürich aus einer ganz neuen Perspektive: Das Mythenquai mit 815 vollelektrischen PS. So viel Kraft steckt nicht einmal in einem Formel-E-Boliden.

Lara Gut im Renn-e-tron. Am Steuer sitzt Dindo Capello. (Sven Thomann)
Lara Gut im Renn-e-tron. Am Steuer sitzt Dindo Capello. (Sven Thomann)

Drei Runden fährt Lara Gut mit. Als sie aussteigt, strahlt sie. Angst habe sie keine gehabt, sagt die Speed-Queen. «Es war spannend. Man hört so wenig! Wie schnell das Auto beschleunigt, das ist faszinierend.» Ganz anders als auf der Piste, sagt sie. «Es ist anders als beim Skifahren. Dort braucht man den ganzen Körper. Beim Mitfahren schaut man, wo es durchgeht, nicht mehr. Der Speed- und Adrenalinkick ist ein anderer, ob man mit dem Körper fährt oder mit dem Auto.»

Schnell sind an diesem Sonntag auch andere Audis: Der amtierende Weltmeister Lucas di Grassi (33) gewinnt auf einem Audi Sport ABT Schaeffler das erste Rundstreckenrennen in der Schweiz seit über 60 Jahren. Vielleicht hat ihm Lara Gut Glück gebracht? Mit vielen anderen VIPs, darunter Ex-Skirennfahrer Didier Cuche (43) und Snowboarder Iouri Podlatchikov (29) besuchte sie am Morgen die Boxengasse, wo die Teams auf den Zürcher Pflastersteinen die Boliden fürs Rennen zusammenschraubten. Davon erzählt sie im Interview.

Lara Gut geniesst den Rennsonntag am Zürichsee. (Sven Thomann)
Lara Gut geniesst den Rennsonntag am Zürichsee. (Sven Thomann)

Frau Gut, was für eine Autofahrerin sind Sie?
Lara Gut: Ich bin ja Skifahrerin. Wir fahren schnell, aber nur auf der Piste. Da gibt es ja keine Geschwindkeitsbegrenzung. Im Auto schon. Ich fahre schon schnell, aber ich versuche, nicht zu schnell zu fahren.

Aber sie stehen auch auf der Strasse auf Geschwindigkeit?
Ich fuhr immer gern Auto, von Anfang an. Wir sind oft unterwegs und ich fahre gern. Aber auch wenn ich ein eher sportlicher Fahrer bin, zu schnell bin ich nicht. Bussen zahlen, das lohnt sich nicht wirklich.

Was ist ihr Eindruck von der Formel E?
Ich bin zum ersten Mal an so einem Formel-E-Event dabei. Es ist spannend, anzuschauen, welche Technik dahintersteckt und wie sich das mit der Elektrizität weiterentwickelt. Sehr speziell ist, wenn man die Autos fahren sieht und fast nichts hört. Daran muss man sich anfangs gewöhnen. Aber das ist schön!

Was macht für Sie die Faszination des Motorsports aus?
Die Geschwindigkeit ist faszinierend. Die Linie auch. Wir fahren ja zwischen Toren durch, wir müssen auch eine Linie wählen. Es gibt eine gewisse Ähnlichkeit, wie man in eine Kurve mit einem Rennauto hineinfährt. Und die ganze Arbeit, die dahintersteckt! Wenn man das Rennen nur am Fernsehen schaut, hat man das gefühl, die fahren einfach herum. Aber wenn man hier durch die Pit Lane geht, in die Boxen schauen kann, sehen, was alles dahintersteckt, dann ist das ähnlich wie bei uns. Da sieht man auch nur eine einzige Person von 30 und man denkt sich: Die müssen ja nur herunterfahren. Aber die ganze Arbeit dahinter, was das ganze Team macht, das sieht man zu wenig.

Was ist der Unterschied zum Skisport?
Wir stehen auf unseren Geräten. Es gibt keinen Motor, man muss alles steuern. Im Motorsport arbeitet man mit einer Maschine, das macht einen riesigen Unterschied. Es gibt aber weitere Ähnlichkeiten: Kleine Änderungen am Auto machen einen riesigen Unterschied. Das ist beim Ski das gleiche.

Audi-Markenchef Dieter Jermann mit dem Prototypen des vollelektrischen e-tron. (Sven Thomann)
Audi-Markenchef Dieter Jermann mit dem Prototypen des vollelektrischen e-tron. (Sven Thomann)

Audi will Ende Jahr ein vollelektrisches Modell auf den Markt bringen, den e-tron. Interessiert Sie das Auto?
Ich finde es spannend, was Audi macht. Batterien, Elektrisches – ich hoffe, das wird wirklich die Zukunft. Das neue Modell von Audi ist wirklich schön. Ich bin noch nie mit so einem gefahren, ich habe es nur hier ausgestellt gesehen, aber ja, es ist – ich fahre schon gern Auto und ich fahre gern schöne Autos. Gegen den hätte ich gar nichts!

Der Prototyp ist in Zürich ausgestellt. Gefällt er Ihnen?
Ja, er ist wirklich schön. Vielleicht nicht in diesen Farben, das ist ein wenig auffällig, wenn man eigentlich nicht bemerkt werden möchte. Ich fahre gern schwarze Autos. Den e-tron in schwarz? Warum nicht!

Lara Gut auf der Rennstrecke. (Sven Thomann)
Lara Gut auf der Rennstrecke. (Sven Thomann)

Eine Besonderheit der Formel E ist der Fanboost: Die beliebtesten Fahrer bekommen Extra-Energie. Braucht es so etwas auch im Skisport?
Ich habe mich ganz genau informiert, worum es beim Fanboost geht. Um ehrlich zu sein: Im Skisport schätze ich es, dass es nur um meine Leistung geht. Ich stehe am Start oben und muss fahren. Es mag daneben Wettbewerbe geben und Preise zu gewinnen, und es ist schön, dass Fans etwas mitbestimmen können. Aber auf den Skiern geht es um meine Leistung. Ich übernehme da die volle Verantwortung. Wenn es nicht geht, muss es an mir liegen.

Zürich sieht anders aus mit dieser Rennstrecke. Gefällt ihnen die Aussicht?
Ich finde es schön, dass so etwas in der Schweiz stattfindet und in Zürich. Ich war schon in Monaco bei der Formel 1. Auch das ist unglaublich, wenn man sieht, wie sich die Stadt verändert. Das ist genau gleich wie hier: Wenn alles fertig ist, dann ist alles wieder normal und man merkt gar nicht mehr, wo das Rennen stattfand. Mit dem See als Kulisse ist es idyllisch – wirklich schön, dass wir sowas in der Schweiz haben.

Das sagt Allan McNish (48), Teamchef von Audi Sport ABT Schaeffler zur Formel E, zum E-Prix Zürich und dem Sieg des Audi-Fahrers Lucas di Grassi:

Audi hat derzeit als einziger deutscher Autohersteller ein Werksteam. Welche Rolle spielt die Formel E für Audi?
Der Motorsport und Audi sind untrennbar verbunden. Der Sport steckt in der Audi-DNA. Der Motorsport stand immer an erster Stelle bei der Entwicklung und wenn es darum geht, den Kunden und der Öffentlichkeit aufzuzeigen, welche Technologie in Zukunft auf die Strasse kommen wird. Die Formel E ist ein grosser Teil davon. Noch dieses Jahr bringt Audi den e-tron auf den Markt – logisch, dass wir da Technologie im Voraus auf der Rennstrecke entwickeln.

Teamchef Allan McNish. (AUDI)
Teamchef Allan McNish. (AUDI)

Warum gehört die Formel E nach Zürich?
Zürich ist auf viele Arten perfekt, auch, weil es zur DNA der Serie gehört, die Rennen in den Herzen der Städte auszutragen. In Grossstädten, wo viele unserer Kunden sind. Wir zeigen, dass die Dinge plötzlich ein klein wenig anders gemacht werden, als es die Tradition will. Exakt so sehen wir das mit der Elektrifizierung.

Was ist in Zürich anders als bei anderen Rennen?
Zürich ist anders als alle anderen Rennstrecken, die ich mit der Formel E und in meiner ganzen Karriere gesehen habe. Es ist fantastisch, nach 64 Jahren in dieses Land zu kommen und in den Strassen von Zürich ein Rennen auszutragen. Die Strecke hat viel Charakter. Jede einzelne Stadt, in der wir fahren, hat Charakter, aber Zürich hat einen ganz eigenen. Das fängt damit an, dass die Strecke am Zürichsee liegt, aber auch, dass die Strecke Tramgleise kreuzt, so etwas habe ich noch nie gesehen. Und dann haben wir diese Boxengebäude aus Holz, die erinnern mich an Schweizer Ski-Chalets. Der Charakter der Stadt hat die Formel E richtiggehend eingenommen. Wir alle – die Fahrer, die Teams, die Fans – nehmen einen sehr positiven Eindruck aus der Schweiz und aus Zürich mit. Ich freue mich sehr darauf, zurückzukehren.

Was reizt Sie an der Formel E?
Die Formel E unterscheidet sich stark von allen anderen Serien, in denen ich als Rennfahrer und mit Audi involviert war. Sie hat ihr Herz in den Stadtzentren. Jeder einzelne Kurs ist schnell gebaut. Die Veranstaltung dauert einen Tag, es ist extrem heftig vom Morgen bis in den Abend hinein. Die Rennen sind sehr heftig, es gibt jede Menge Action. Man muss vorausplanen, aber am Renntag muss man sehr, sehr agil sein. Das mag ich. Und ich mag, dass wir an neue Orte reisen, Orte, an denen wir noch nie zuvor waren, Orte, an denen man normalerweise keine Rennen austragen würde. Zürich ist ein perfektes Beispiel dafür, oder in dieser Saison Paris oder Rom. Wir brechen auch in neue Länder auf, wir reissen Grenzen ein – manchmal auch geistige. Die Formel E ist ein wenig wie ein Start-up: Sie probiert neue Dinge aus, macht vieles neu, frisch oder anders als alle anderen. Für uns bei Audi ist die Formel E eine vorzügliche Plattform, um unsere Technologie zu entwickeln und sie gleichzeitig zu präsentieren.

Lucas di Grassi auf dem Siegerpodest. (Audi Motorsport/Michael Kunkel)
Lucas di Grassi auf dem Siegerpodest. (Audi Motorsport/Michael Kunkel)

Lucas di Grassi hat sich den Sieg in Zürich geholt – wie war das für das Team?
Es ist unglaublich, dass wir den Siegerpokal des allerersten Zürcher E-Prix und des ersten Rennens in einem Land seit 1954 nach Hause nehmen können. Wir sind ausserordentlich stolz darauf und dankbar für die Unterstützung, die wir von Audi Schweiz bekommen haben.

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