«Zürich kann sich international als Innovations-Standort zeigen»

La sindaca Corine Mauch alla gara zurighese di Formula E

Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP, 57) ist elektrisch unterwegs: Sie flitzt mit ihrem roten E-Bike von Sitzung zu Sitzung. Braucht sie ein Auto, nutzt sie Carsharing. Im Interview erklärt sie, was sie sich vom ABB FIA Formula E Championship-Rennen am 10. Juni am Seebecken erwartet.

Frau Mauch, in Zürich findet am 10. Juni das erste Rundstreckenrennen seit über 60 Jahren statt. Was hat den Zürcher Stadtrat dazu bewogen, die Bewilligung dafür zu erteilen?
Stadtpräsidentin Corine Mauch: Der Gesamtanlass und das Thema E-Mobilität haben Potenzial. Nachhaltige Mobilitätstechnologien werden – insbesondere über das Rahmenprogramm – für ein breites Publikum erfahrbar gemacht. Zürich kann sich national und international als Innovationsstandort und als Tourismusdestination zeigen. Und mit den Vorgaben der Stadt zur Durchführung soll die Belastung für die Quartiere möglichst gering bleiben.

Sie haben es angesprochen: Neben dem Rennen spielt das E-Village auch eine grosse Rolle. Was versprechen Sie sich davon?
Nachhaltige Mobilitätstechnologien sind für die Zukunft des Verkehrs in Städten interessant und wichtig. Das Rahmenprogramm soll Einblicke in aktuelle Forschungen und Entwicklungen im Bereich der E-Mobilität bieten und den Besucherinnen und Besuchern diese Themen auf attraktive Art und Weise vermitteln.

Corine Mauch schüttelt dem Schweizer Formel-E-Piloten Sébastien Buemi die Hand. (Keystone)
Corine Mauch schüttelt dem Schweizer Formel-E-Piloten Sébastien Buemi die Hand. (Keystone)

Kann die E-Mobilität städtische Verkehrsprobleme lösen?
Zwei der grossen Herausforderungen beim Stadtverkehr sind der Strassenlärm und die Luftschadstoffe. In diesen Bereichen kann E-Mobilität einen Beitrag zur Entlastung leisten. Beim öffentlichen Verkehr setzt Zürich mit Trams und Bussen schon seit Jahren und mit grossem Erfolg auf E-Mobilität und begegnet damit auch erfolgreich der Herausforderung der Platzknappheit in der Stadt.

Werden Sie das Rennen vor Ort verfolgen?
Ich hoffe es. Das Rennen ist in meiner Agenda eingetragen, aber der 10. Juni ist auch noch ein gewichtiger Abstimmungssonntag.

2 Schweizer

Piloten fahren mit: Sébastien Buemi (29, Renault e.dams) und Edoardo Montara (31, Venturi)

0 Franken

Eintritt werden die meisten Zuschauer am 10. Juni zahlen

2500 Franken

kostet das teuerste VIP-Ticket

225 km/h

ist die abgeriegelte Höchstgeschwindigkeit der Formel-E-Autos

180 kW (245 PS)

beträgt die maximale Leistung der Formel-E-Autos im Rennmodus

2,46 km

lang ist die Rennstrecke in Zürich

11

Kurven hat der Zürcher Kurs – darunter mehrere 90-Grad- und eine Haarnadelkurve

150’000

Zuschauer erwarten die Organisatoren

80 dB

laut werden die Formel-E-Autos

30 Personen

arbeiten für den Rennveranstalter Swiss E-Prix Operations AG

2700

Tribünenplätze waren in Rekordzeit ausverkauft

1200

Gussbetonklötze sichern die Rennstrecke

15 Millionen Franken

ist das Budget des Zürcher E-Prix

58 Stunden

lang bleiben die Strassen rund um den Kurs gesperrt – von Freitag, 19 Uhr bis Montag, 5 Uhr

Zürich ist die Zielgerade: Die laufende Saison endet am 15. Juli in New York City, die Schweizer Stadt ist der letzte Austragungsort vor dem grossen Finale. Die Formel E ist eine junge Rennserie, das erste Rennen fand im September 2014 statt. Zehn Teams mit je zwei Piloten kämpfen um die Meisterschaft. Dahinter steckt wie etwa bei der Formel 1 die Fédération Internationale de l’Automobile (FIA).

Eine eingeschworene Fangemeinde verfolgt die Rennserie – und hat sogar Einfluss auf das Rennen: Der sogenannte «Fanboost» ermöglicht es den beliebtesten Fahrern, für eine kurze Zeit Extra-Leistung ihres Autos abzurufen.

Das Zürcher Rennen ist historisch. Das letzte Rundstreckenrennen in der Schweiz fand 1954 statt. 1955 starben bei der Unfallkatastrophe beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans 84 Menschen, seither sind Rundstreckenrennen gemäss dem Schweizer Strassenverkehrsgesetz verboten. Für den Zürcher E-Prix hat der Bundesrat eine Ausnahmebewilligung erteilt.

Der erste Zürcher E-Prix findet am Sonntag, 10. Juni 2018 statt. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 150’000 Zuschauern. Qualifying und Rennen finden wie bei der Formel E üblich am gleichen Tag statt. Die meisten Tribünen-Tickets sind schon weg, ein paar wenige VIP-Karten kann man noch kaufen. Wer das Rennen live vor Ort miterleben will, braucht gemäss den Organisatoren aber kein Billett. Wer es nicht nach Zürich schafft, kann das Rennen auch im Internet und am Fernseher verfolgen. SRG-Sender übertragen den E-Prix.

Die Zürcher Strecke ist 2,4 Kilometer lang. Dank zwei langen Geraden sollen hohe Geschwindigkeiten und spannende Überholmanöver möglich sein. Das Rennen findet dort statt, wo sonst Zürcher Autopendler im Stau stehen: Die Strecke am Seebecken wird von Freitagabend bis Montagmorgen gesperrt, zahlreiche Verkehrsinseln und Schilder müssen entfernt werden. Unangetastet bleiben entgegen früheren Plänen die Tramgleise. Die Organisatoren haben sich dagegen entschieden, sie aufzufüllen – Neuland für die Teams und Fahrer.

Solche Szenen erwarten die Zürcher Rennsport-Fans: Sébastien Buemi (links) kämpft gegen Lucas di Grassi (Mitte) am E-Prix von Hong Kong im vergangenen Dezember. (Imago/Krälling)
Solche Szenen erwarten die Zürcher Rennsport-Fans: Sébastien Buemi (links) kämpft gegen Lucas di Grassi (Mitte) am E-Prix von Hong Kong im vergangenen Dezember. (Imago/Krälling)

Zum ersten Mal nehmen die Piloten die Strecke am Samstagmorgen um 9 Uhr beim Track Walk unter die Lupe. Die ersten Trainingsfahrten finden am Sonntag um 9 Uhr statt, die Qualifyings starten um 14 Uhr. Der Haupt-Event, das Rennen, startet um 18 Uhr. Es dauert rund 50 Minuten.

Anders als in anderen Serien – etwa der grossen Benzin-Schwester Formel 1 – gehört auch ein Auto-Wechsel zu Formel-E-Rennen. Die genormten Batterien der Boliden speichern 33 Kilowattstunden, das reicht nur für eine Halbzeit. Die abgeriegelte Höchstgeschwindigkeit der Rennautos liegt bei 225 Stundenkilometern. Die Teams können verschiedene Komponenten – etwa die Elektromotoren, das Getriebe oder das Kühlsystem – selber entwickeln. Der Fahrzeugwechsel fällt in der nächsten Saison weg: Das neue Auto, der Spark SRT_05e, kommt mit einer 54-Kilowattstunden-Batterie.

Ist der erste Schweizer E-Prix ein Erfolg, könnte das Spektakel schon 2019 zurück nach Zürich kehren. Die Organisatoren haben die Lizenz für die Schweiz für neun Jahre gesichert.

Daniel Abt erklärt den E-Prix-Kurs vom 10. Juni

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