Wo unser Strom hinfliesst

Geniessen Sie Sonne, Strand und Berge. In den Ferien können Sie aber auch Ihren Stromverbrauch runterfahren, ihren CO2-Ausstoss verringern und das Portemonnaie schonen. Und erst noch einen wichtigen Beitrag für die 2000-Watt-Gesellschaft leisten. Rund ein Drittel des Stroms in der Schweiz verbrauchen private Haushalte.

Von Max Fischer

Nichts gegen ein heisses Bad im Winter. Aber was gibt es Schöneres, als im Sommer den Tag mit einer eiskalten Dusche zu starten. So holen Sie sich den Frische-Kick und tun erst noch Gutes für die Umwelt. Eine kalte Dusche spart eine Menge Energie. Denn mit der warmen Morgendusche fliessen im Schnitt 40 Liter Warmwasser den Abfluss hinunter. Verschwender kommen gar auf 80 Liter. Warmes Duschen ist somit der zweitgrösste Energiefresser im privaten Haushalt. Denn im warmen Wasser steckt viel Energie.

War lange duscht, verbraucht bis zu 80 Liter Warmwasser. (Getty Images)
War lange duscht, verbraucht bis zu 80 Liter Warmwasser. (Getty Images)

Aber: die Dusche ist auch einer der Orte, wo jeder aktiv zur Energiewende beitragen kann. «Allein schon weil Warmwasser zu 75 Prozent mit fossilen Energieträgern und zu 25 Prozent in elektrischen Boilern produziert wird», sagt ETH-Professor Thorsten Staatke.

Auch wenn Sie zu den Warmduschern gehören, können Sie ganz einfach Energie sparen: Mit dem ETH-Spin-off Amphiro hat Staatke eine Verbrauchsanzeige für die Dusche entwickelt. «Wer ‹live› mitverfolgen kann, wie viel Wasser und Energie er während des Duschens verbraucht, der duscht sparsamer», sagt Studienautorin Verena Tiefenbeck. Konkret: Für die Studie wurden in 697 Haushalten in der Region Zürich Messgeräte installiert.

Der Duschcomputer Amphiro ist eine Schweizer Erfindung.
Der Duschcomputer Amphiro ist eine Schweizer Erfindung.

Auf dem Display leuchtet ein Eisbär auf einem Eisblock. Dieser schmilzt weg, je mehr warmes Wasser aus der Brause fliesst. Tatsächlich sank der Energie- und Wasserverbrauch im Schnitt um 23 Prozent. Würde man nur 10 Prozent der Schweizer Haushalte mit Echtzeit-Duschanzeigen ausrüsten, liesse sich so viel Energie sparen wie 18400 Haushalte in der Schweiz pro Jahr total verbrauchen.

Eine weitere Sparmöglichkeit: Der preisgekrönte Dusch-Wärmetauscher Joulia-Inline. Das Gerät funktioniert äusserst simpel: Das warme Wasser wird in der Duschrinne mittels einer Siphonierhaube gleichmässig auf den Wärmetauscher geführt. Dort gibt es seine Wärme an die Kupferrohre ab und fliesst abgekühlt in die Kanalisation. Die Wärme in den Kupferrohren wird nun ins Kaltwasser darin abgegeben, welches sich von 10 auf 25 Grad erwärmt. Das Kaltwasser fliesst somit bereits vorgewärmt an die Mischbatterie, wodurch weniger heisses Wasser aus dem Boiler oder dem Solarspeicher benötigt wird.

Klar ist auf jeden Fall: Duschen ist allemal besser als baden. Ein Vollbad benötigt rund 140 Liter. Ein Warmwasserboiler frisst im Jahr für rund 600 Franken Energie.

TV, Computer, Laptops, Handys, Bildschirme, Tablets und Router sind fast ständig am Strom. Nehmen Sie das Fernsehgerät vom Netz, wenn Sie am See oder auf einer Velotour sind. Und ziehen Sie auch allen DVD, Blu-Ray-Player, Receiver, Set-Top-Box, Spielekonsolen und Soundsystemen den Stecker. Am einfachsten geht das mit einer abschaltbaren Steckerleiste. All diese Zusatzgeräte sollten Sie nur mit Pfuus verbinden, wenn Sie diese auch tatsächlich nutzen. Vermeiden Sie den energiefressenden Standby-Modus.

Mit einer abschaltbaren Steckerleiste entschärft man die Standby-Stromfresser. (Keystone)
Mit einer abschaltbaren Steckerleiste entschärft man die Standby-Stromfresser. (Keystone)

Im Gegensatz zu vielen Küchengeräten sind Handys & Co. zwar sparsam. Doch weil in den meisten Haushalten Unmengen elektronischer Helfer im Einsatz sind, läppern sich auch die kleinen Beträge zusammen. Wer das Handy jeden Tag lädt, gibt dafür kaum mehr als einen Franken im Jahr aus. Tablets kosten je nach Modell bis vier Franken jährlich, ein Laptop 6 Franken. Und für einen Monitor mit 24 Zoll (60 Zentimeter) Bildschirmdiagonale muss man bis 13 Franken rechnen. TV-Geräte sind leicht teurer, für 47-Zoll-Geräte (120 Zentimeter) werden schnell über 30 Franken fällig, für eine Playstation rund 35 Franken. Überlegen Sie sich, ob sich zu Hause wirklich ein Kino-Format für Ihren TV-Apparat lohnt: Ein 55-Zoll-Gerät (140 Zentimeter) verbraucht in der gleichen Effizienzklasse viermal so viel Strom wie ein Gerät mit 28 Zoll (70 Zentimeter).

Je grösser der Fernseher, desto mehr Strom frisst er. (Keystone)
Je grösser der Fernseher, desto mehr Strom frisst er. (Keystone)

Einiges herausholen kann man mit der Anpassung der Einstellungen. Diese sind für die Verkaufsgeschäfte so geregelt, dass die Bilder besonders kräftig strahlen und herausstechen. Zu Hause kann man das an die heimischen Wohn-Bedingungen anpassen und so Strom sparen. Und wer gern vom dem Fernseher einschläft, sollte unbedingt die Sleep-Timer-Funktion verwenden. Empfehlung: Jeder Laptop und jeder Computer lässt sich so einstellen, dass er nach kurzer Zeit in den Stromsparmodus übergeht.

Kaffee ist der beliebteste Muntermacher der Schweiz. Damit Sie auch in den Ferien in die Gänge kommen, muss auch die Kaffeemaschine ihre Betriebstemperatur erreichen. Sobald sie eingeschaltet ist, verbraucht sie eine halbe Minute lang ungefähr 1000 Watt, um das Wasser auf 90 Grad zu erhitzen. Und hat man die erste Tasse herausgelassen, verbraucht sie erneut 1000 Watt, um das Wasser für die nächste Tasse zu erwärmen. Kaffeemaschinen, die keine Rücksicht  auf Umwelt und Ihr Portemonnaie nehmen, halten das Wasser konstant auf einer Temperatur von 90 Grad, indem sie ihr Heizelement regelmässig aktivieren. Wenn sie den ganzen Tag eingeschaltet bleibt, verbraucht sie laut der Fachstelle energie-umwelt.ch mehr Strom für ihre Betriebsbereitschaft als für die Zubereitung des Latte Macchiato.

Noch vor dem ersten Schluck haben viele Kaffeemaschinen schon 1000 Watt verbraucht. (Reuters)
Noch vor dem ersten Schluck haben viele Kaffeemaschinen schon 1000 Watt verbraucht. (Reuters)

Kaffeemaschinen mit einem «Eco»- oder «Stand-by»-Modus fallen in eine Schlaffunktion, wenn sie nicht benutzt werden. Dann verbrauchen sie lediglich 1 bis 4 Watt. Für eine neue Tasse muss man ungefähr eine halbe Minute warten, bis das Wasser die richtige Temperatur hat. Es gibt auch Modelle, die sich komplett vom Strom abschalten, wenn man sie eine gewisse Zeit lang nicht benutzt. Genau so, als würde man sie ausschalten. Noch besser: Möchte man nicht gleich eine zweite Tasse, so sollte man die Kaffeemaschine in jedem Fall immer ausschalten. Das ist die beste Art, Strom zu sparen. Kaffeeautomaten verbrauchen je nach Grösse und Modell bis 40 Franken Energie, eine Kapsel-Maschine bis etwa 30 Franken.

Ein kühles Bier, ein feines Glace: Rund 4,4 Millionen Kühlschränke sind in der Schweiz Tag und Nacht in Betrieb. Zusammen mit Gefriergeräten verbrauchen sie jährlich 1100 Millionen Kilowattstunden Strom. Schauen Sie bei Ihrem Gerät auf die Energietikette. Diese gibt Auskunft über Verbrauch, Effizienz, Kühlinhalt und Schallpegel. Eine aktuelle Kühl-Gefrier-Kombination der Effizienzklasse A+++ benötigt 140 Kilowattstunden Strom pro Jahr – ein schlechtes Gerät der Klasse C aus dem letzten Jahrhundert 600 Kilowattstunden. Tipp: Ein Kühlgerät niemals direkt neben Kochherd, Geschirrspüler und Heizkörper installieren. Je höher die Umgebungstemperatur, desto höher der Stromverbrauch. Grosse Kühlschränke und Kühltruhen kosten zwischen 20 und 40 Franken im Jahr. Achtung: Stellen Sie keine warmen Speisen in den Kühlschrank. Und zugefrorene Kühlschränke sind Energieräuber. Je dicker die Eisschicht, desto höher der Energieverbrauch. Tipp: Tauen Sie den Kühlschrank ab, bevor Sie ans Meer oder in die Berge verreisen – und lassen Sie die Kühlschranktüre offen.

Energieetiketten – hier an einem TV-Gerät – kleben auch an Kühlschränken und Gefriertruhen. (Keystone)
Energieetiketten – hier an einem TV-Gerät – kleben auch an Kühlschränken und Gefriertruhen. (Keystone)

Es ist kein Geheimnis: Auch der Herd ist ein Stromfresser. Mit 450 Kilowattstunden im Jahr gehört er zu den Spitzenreitern. Das muss nicht sein: Das  Kochgeschirr sollte genau auf die Herdplatte passen und nicht zu gross und nicht zu klein sein. Sonst wird Energie verschleudert. Es gibt mittlerweile auch besonders energieeffizientes Kochgeschirr. Mit einem Schnellkochtopf lässt sich gegenüber einer herkömmlichen Pfanne beinahe 50 Prozent Strom sparen. Nicht vergessen: Beim Kochen immer den Deckel auf die Pfanne. Viele greifen lieber zum Wasserkocher, wenn sie nur heisses Wasser brauchen. Gut so! Wasser auf dem Herd zu erwärmen verbraucht etwa viermal so viel Strom wie mit dem Wasserkocher.

Achten Sie auch bei Waschmaschinen auf die Energieeffizienzklasse. A+++ steht für den niedgristen Verbrauch. Geräte mit A+ verbrauchen am meisten Strom. Mit einer neuen Maschine sparen Sie gegenüber einem älteren Modell etwa die Hälfte Strom. Beachten Sie aber auch die Waschregeln: Nutzen Sie den Stauraum vollständig aus. Und falsch: Mit mehr Waschmitteln wird die Wäsche nicht sauberer. Für die meisten leicht bis mittelmässig verschmutzten Klamotten genügt eine Waschtemperatur von 30 Grad. So lässt sich gegenüber einer 90-Grad-Wäsche bis 70 Prozent Energie sparen. Und gegenüber einer 40-Grad-Wäsche  spart man immer noch bis 20 Prozent. Eine 7-Kilo-Waschmaschine frisst im Jahr Strom für 60 bis 90 Franken. Ein Versuch: Verzichten Sie dank moderner Kaltwaschmittel auf heisses Wasser. Das schont nicht nur Umwelt und Portemonnaie – sondern auch die Farben Ihrer Blusen und T-Shirts.

Aufgepasst: Viel Energie geht beim Wäschetrockner drauf. Setzen Sie auf die Sonne: Bei den herrlichen Sommertagen kommt es wesentlich billiger, die Wäsche an der Leine zu trocknen. Wer auf den Tumbler angewiesen ist, soll mit möglichst niedrigen Temperaturen experimentieren, bis das Resultat zufriedenstellend ist. Nicht vergessen: Das Sieb regelmässig putzen, nur so kann das Gerät effizient trocknen. Ein 8-Kilo-Tumbler verursacht Energiekosten zwischen 30 und 50 Franken jährlich.

Wer die Wäsche an der Sonne trocknet, verschleudert keine Tumbler-Energie. (Keystone)
Wer die Wäsche an der Sonne trocknet, verschleudert keine Tumbler-Energie. (Keystone)

Wenn vier Teller und ein paar Tassen dreckig sind, kann man das Geschirr ja auch von Hand abwaschen und muss nicht gleich die Abwaschmaschine anmachen, oder? Falsch! Eine vollbeladene Spülmaschine verbraucht weniger Wasser als gründlich selber abwaschen! Ein modernes Modell kann das täglich anfallende Geschirr einer Familie mit weniger als zehn Liter Wasser, wenig Reinigungsmittel und weniger als einer Kilowattstunde Strom reinigen – und zwar ohne dass es nötig ist, die Teller unter dem Wasserhahn vorzuspülen. Doch auch die Abschwaschmaschine muss voll beladen werden. Die meisten putzen das Sieb nur unregelmässig. Das führt zu unangenehmen Gerüchen, und es hemmt die Spülkraft. Tipp: Die Abwaschmaschine nicht zwischen 12 Uhr mittags und 20 Uhr laufen lassen. Dann ist der Strom am teuersten. Lassen Sie sie in der Nacht waschen. Aber nur, wenn es den Nachbarn nicht stört.

Für elektrisches Licht gehen im Schnitt 13 Prozent des Stromverbrauchs in einem Haushalt drauf. Reduzieren Sie mit Energiesparlampen. Das lohnt sich! Für die gleiche Menge Licht benötigt eine Lampe der Energieklasse A++ 5 bis 6 mal weniger Strom als eine Lampe der Klasse C und 7 bis 8 mal weniger Energie als eine Lampe der Klasse E. Eine vierköpfige Familie spart mit konsequentem Einsatz von LED-Lampen statt Halogen und Leuchtstoff über 500 Kilowattstunden und über 100 Franken.  Es stimmt zwar, dass in jeder LED-Lampe mehr graue Energie steckt als in einer herkömmlichen Glühbirne. Doch das haben Sie schnell wettgemacht.

Neue Autos haben heute meist LED-Scheinwerfer eingebaut – Birnen-Tauschen lohnt sich auch für daheim. (AUDI)
Neue Autos haben heute meist LED-Scheinwerfer eingebaut – Birnen-Tauschen lohnt sich auch für daheim. (AUDI)

Über drei Millionen Haushalte in der Schweiz verbrauchen zum Kochen und Backen 1,2 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr. Was die meisten vergessen: Die Kochmethode hat grossen Einfluss auf den Energieverbrauch. Die gross in Mode gekommen Steamer sind  Energiefresser. Gart man 500 Gramm Kartoffeln in einer Isolierpfanne, braucht man dafür 0,1 Kilowattstunden Strom. Der Steamer benötigt viermal so viel, im Backofen mit Steamer-Funktion sind es gar sieben Mal so viel. Ein Backofen mit 60 Zentimeter Durchmesser frisst im Jahr Strom für 20 bis knapp 40 Franken.

Auch da steckt viel Energie drin: Dieses Rib-Eye-Steak hat 19-mal so viele Treibhausgase verursacht wie gleich viel Gemüse aus der Region. (Getty Images)
Auch da steckt viel Energie drin: Dieses Rib-Eye-Steak hat 19-mal so viele Treibhausgase verursacht wie gleich viel Gemüse aus der Region. (Getty Images)

Sommerzeit ist Grillzeit. Nichts gegen ein feines Steak. Aber legen Sie doch auch einmal ein Tofu-Würstchen über die Glut. Und vor allem grillieren Sie mehr Gemüse – gefüllte Auberginen, Tomaten oder Maiskolben sind klimafreundlicher als ein Mocken Fleisch und sorgen erst noch für Abwechslung auf dem Rost. Zum Vergleich: Ein Kilo Rindfleisch verursacht so viele Treibhausgase wie 19 Kilogramm Gemüse aus der Region. Ein Elektrogrill ist zwar praktisch, aber er braucht viel Strom. Besser ist ein Holzkohlegrill. Kaufen Sie aber nur zertifizierte Holzkohle.

Die Sommerferien sind zudem eine gute Gelegenheit, den CO2-Fussabdruck kleiner zu halten als in anderen Jahren: Wer seine Ferien in der Schweiz verbringt, statt weit zu fliegen, der schont die Umwelt. Warum nicht ein E-Bike mieten und zum Beispiel auf der «Herzroute» von Schweiz Tourismus das eigene Land erkunden? Mit durchgelüftetem Kopf kommt man zurück im Büro auch selber auf Ideen, wie man Treibhausgas-Ursachen aus dem Leben verbannt. Zum Beispiel, in dem man unnötige Geschäftsreisen vermeidet und stattdessen Telefon- oder Videokonferenzen abhält. Oder wenn möglich Home-Office-Tage einlegt und von daheim aus arbeitet. Das spart Pendler-Emissionen.

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Das Elektroauto und die 2000-Watt-Gesellschaft

Ab 2020 gilt in der Schweiz für Neufahrzeuge ein Zielwert von 95 Gramm CO2-Ausstoss pro Kilometer. Eine grosse Chance für Elektroautos: Diese stossen rund einen Viertel weniger Treibhausgase aus als ein Benziner der gleichen Fahrzeugkategorie. Das zeigen Umweltanalysen mit einer umfassenden Klimabilanz, die alle Aspekte des Strassenverkehrs einbeziehen – also auch den Bau- und Unterhalt der Strassen die Autoproduktion und -Entsorgung, Treibstoff- beziehungsweise Stromproduktion und die Emissionen beim Fahren.

 

Markant ist der Vorteil beim Einsatz von Ökostrom. «Damit die Elektromobilität die ihr zugedachte Rolle in der Energiestrategie 2050 erfüllen kann, ist der Einsatz von Ökostrom zwingend erforderlich», halten die Experten des weltweit tätigen Beratungsunternehmens Ernst Basler und Partner in ihrem jüngsten Energiebericht fest. Also erneuerbare Energie aus Wasser, Sonne, Biomasse und Wind. Um das Klimaziel 2020 zu erreichen, muss der Anteil Elektroautos gemäss Auto-Schweiz von 2,7 Prozent im vergangenen Jahr auf 10 Prozent bis 2020 erhöht werden.

 

Noch kostet ein Elektroauto mehr als ein mit herkömmlichem Treibstoff betriebenes Fahrzeug. Doch bei den momentanen Strompreisen kommt eine 100-Kilometer-Fahrt auf nicht einmal drei Franken zu stehen. Bei einem Benziner sind es rund dreimal mehr. Das heisst: je mehr Kilometer man fährt, desto günstiger wird das Elektroauto. Und man stösst erst noch kein CO2 aus. Kommt hinzu, dass man für Elektrofahrzeuge in einigen Kantonen keine oder eine reduzierte Motorfahrzeugsteuer bezahlt. Da freuen sich Portemonnaie und Umwelt.


Das Zauberwort bei Elektro- und Hybridfahrzeugen heisst Rekuperationstechnik oder Energierückgewinnung. Stop and go – gerade im Strassenverkehr lauert die teure und umweltbelastende Verschwendung. Eigentlich ist es ganz banal: Der Motor erzeugt Energie, die das Bremsen wieder stoppt. Dabei erwärmen sich die Bremsen, die sich dadurch abnutzen. Die Energie ist verloren. Anders bei einem Elektro- oder Hybridauto: Wenn der Fahrer einen Berg hinunter fährt oder er aktiv auf die Bremse tritt, wird der Elektromotor als Generator genutzt. Die Räder übertragen die Bewegungsenergie über den Antriebsstrang zum Elektromotor – ähnlich wie ein Dynamo bei einem Velo funktioniert. Der Elektromotor bremst das Auto, indem er Energie aufnimmt und in elektrische Energie umwandelt. Die so zurückgewonnene Energie wird in der Batterie gespeichert und dem Elektro- oder Hybridfahrzeug beim Anfahren oder Beschleunigen zur Verfügung gestellt. Gerade bei Bergabfahrten ist die Rückgewinnung überdurchschnittlich hoch.

 

Für umweltbewusste Elektroauto-Lenker gibt es in der Schweiz zudem ein weiteres unschlagbares Argument: Hier wird der Strom nicht aus Kohle oder Öl gewonnen – unter anderem dank unseren Stauseen. Das bedeutet, dass nicht nur im Verkehr, sondern auch bei der Energieproduktion weniger CO2 verursacht wird.

Das ist die 2000-Watt-Gesellschaft

Alle reden von ihr. Im In- und Ausland. «Erfunden» hat sie die Schweiz: Das Modell der 2000-Watt-Gesellschaft entstand anfangs der 90er Jahre im Umfeld der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH Zürich. Die Hinweise auf einen Klimawandel nahmen zu. Kritische Wissenschafter stellten sich die Frage nach einer nachhaltigen und gerechten Energieversorgung.

Als Ziel legten sie eine Leistung von 2000 Watt pro Kopf fest. Das entsprach 1990 dem Weltjahresverbrauch von 17520 Kilowattstunden (48 Kilowattstunden pro Tag). Gemäss Spezialisten der ETH ist es möglich, auf diesen Wert zurückzukommen. Vor allem durch Erhöhung der Effizienz an Gebäuden, Geräten und Fahrzeugen. Aber auch durch die Entwicklung neuer Technologien.

 

In der Schweiz haben der Energiebedarf und die Treibhausgasemissionen pro Einwohner jahrzehntelang ständig zugenommen. Seit dem Höhepunkt im Jahr 2000 mit deutlich über 6000 Watt geht der Verbrauch laut der Fachstelle «2000-Watt-Gesellschaft» pro Kopf markant zurück: 2010 lag er noch bei 6045 Watt, 2016 bereits bei 4857. Gemäss den Energie-Profis leben wir effizienter, ist doch der Gesamtenergieverbrauch trotz Zunahme der Bevölkerung konstant. Das erfreuliche Resultat sei aber auch auf die ambitionierte Energiepolitik der letzten Jahre zurückzuführen.

 

In der Tat: Über hundert Gemeinden und Städte, darunter Zürich, Luzern, Aarau, Winterthur und Zug, sowie 23 der 26 Kantone haben die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft in ihren energiepolitischen Zielvorgaben verankert. In Zürich, Luzern und Aarau haben sich die Stimmbürger deutlich für diesen Schritt entschieden. Das ist nicht alles: Hinzu kommen kurzfristig noch 250 2000-Watt-Areale mit einer Bevölkerung in der Grössenordnung einer Stadt wie Winterthur und mittel- bis langfristig weitere 900 Areale, die etwa so viele Menschen wie die Stadt Zürich Platz geben.

 

Als Leuchtturmprojekt gilt Greencity in Zürich – bis 2020 sollen über 700 Wohnungen konsequent nach den 2000-Watt-Richtlinien auf dem ehemaligen Areal der Papierfabrik Sihl erstellt werden. Oder das Schweighofareal in Kriens bei Luzern – die erste 2000-Watt-Siedlung in der Zentralschweiz.

 

Ziel ist es, bis im Jahr 2100 den Energieverbrauch pro Einwohner auf 2000 Watt und die Treibhausgas-Emission auf 1 Tonne pro Person und Jahr zu reduzieren. Für das Jahr 2050 gibt es zwei Zwischenziele: 3500 Watt und 2 Tonnen. Erreicht werden sollen diese nicht nur mit umweltfreundlich angetriebenen Autos. Auch in den eigenen vier Wänden gibt es ressourcenschonende Alternativen: Das Wachstum an erneuerbaren Energien und überschüssig produziertem Sommerstrom verlangt neue Speichermöglichkeiten.

 

Das «Mehrfamilienhaus mit Energiezukunft» im zürcherischen Leimbach ist ein Beispiel der Umwelt Arena Schweiz. Das Kraftwerk mit Photovoltaikanlagen auf Dach und Fassaden zeigt eine wegweisende Lösung für eine stabile Energieversorgung. Sogar im Winter kann das Haus Strom ins öffentliche Netz abgeben – bis jetzt undenkbar für ein Photovoltaikhaus. Der Clou: Überschüssiger Sommerstrom wird extern in Biogas umgewandelt (Power-to-Gas mit Methanisierung) und ins Erdgasnetz eingespiesen. Im Winter wird das so produzierte Biogas über das Erdgasnetz wieder ins Zukunftshaus zurückgeliefert. So kann der CO2-Ausstoss um bis zu 50 Prozent gesenkt werden. Die wichtige Rolle der Energiezentrale übernimmt die neu entwickelte Hybridbox, eine innovative Art, Energie zu sparen. Und im Vergleich zu Ölheizungen wird der CO2-Ausstoss um bis zu 50 Prozent gesenkt. Mit e-Gas/Biogas wird das Haus CO2-neutral betrieben.

 

Übrigens: Die selbe Technologie nutzt Audi auch bei seinen g-tron-Modellen. Überschüssiger Strom aus Windkraftanlagen wird in der Audi e-gas-Anlage zur Elektrolyse, der Wasserstoff wird zu Methan – dem e-gas von Audi.