Billiger als Benziner: Was kostet E-Tanken wo?

Elektromobilität ist nicht nur innovativ, umweltfreundlich und aufregend. Sondern auch erstaunlich günstig. Besonders in der Schweiz. Hier erfahren Sie, welche Kosten entstehen, wenn Sie Strom laden statt Benzin oder Diesel tanken.

Die Schweiz hat kaum Bodenschätze. Sondern die Alpen, die uns die Sicht aufs Mittelmeer versperren, durch die wir Tunnelstollen treiben und die wir mit Passstrassen säumen. Und doch hat die Schweiz eine wichtige Ressource: Das Wasser.

Wasserkraft treibt die Schweiz an – im Bild die Zervreila-Staumauer in Vals GR. (Keystone/Alessandro della Valle)
Wasserkraft treibt die Schweiz an – im Bild die Zervreila-Staumauer in Vals GR. (Keystone/Alessandro della Valle)

In unseren Bergen liegen die Quellen Europas. Aus den Alpen fliesst das Wasser in die Adria und ins westliche Mittelmeer, ins Schwarze Meer und in die Nordsee. Und dank den Stauseen in den Bergen ist der Schweizer Strom umweltfreundlicher als jener in vielen Nachbarländern: Laut dem Schweizerischen Wasserwirtschaftsverband SWV decken Lauf- und Speicherkraftwerke 56 Prozent des Schweizer Strombedarfs. Fast die ganze erneuerbare Stromproduktion kommt hierzulande aus den Alpen: Die Schweiz ist das Wasserschloss Europas.

Das macht den Schweizer Strom nicht nur vergleichsweise umweltschonend, sondern auch günstig. Manch ein Zuzüger aus dem Ausland wundert sich über die Stromtarife hierzulande. Die vergleichsweise kurzen Wege zwischen Stromproduktion und -Verbrauchern sorgen dafür, dass der Energieverlust durch die Übertragung geringer ist als anderswo. Es liegt auf der Hand: Auch wenn andere Länder noch einen Technologie- und Infrastrukturvorsprung haben, müsste die Schweiz eigentlich eine Nation von E-Mobilen sein.

Den Gelmersee kann man am Grimselpass bestaunen. (Keystone/Gaetan Bally)
Den Gelmersee kann man am Grimselpass bestaunen. (Keystone/Gaetan Bally)

Schweizer Strom ist heute schon sehr nachhaltig. Und günstig, wenn man das Auto in der eigenen Garage aufladen kann, wie der Preisvergleich in den grössten Städten der Schweiz zeigt:

OrtBevölkerung¹AnbieterGünstigster Tarif²Preis³ (Rp./kWh exkl. MWSt)Kosten pro Jahr⁴ (Fr. inkl. MWSt)Kosten pro 100 km⁵ (Fr. inkl. MWSt)
Zürich (Stadt)402'762EWZEnergie ewz.basis18,64423,794,77
Genf198'979Services Industriels de Genève SIGElectricité Profil Double - Bleu - bonus moyen compris18,52421,064,74
Basel-Stadt171'017Industrielle Werke Basel IWBIWB Strom small24,77563,166,34
Lausanne137'810Service de l' Electricité de la Ville de Lausanne SILProfil DUO20,6468,355,27
Bern (Stadt)133'115Energie Wasser Bern ewbewb.BASIS.Strom18,88429,254,83
Winterthur109'775Stadtwerk Winterthure.Strom Grau Basic17,83405,374,56
Luzern81'592Centralschweizerische Kraftwerke AG CKWCKW GrossKraft D/S6 mit Option Online17,63400,834,51
St. Gallen75'481Sankt Galler StadtwerkeSt. Galler Strom Basis EN DT < 48 MWh18,5420,614,73
Lugano TI63'932Aziende Industriali di Lugano SA AILCasa giorno-notte16,87383,554,32
Biel/Bienne54'456Energie Service Biel / BienneClassique Double Suisse19,53444,025
Thun BE43'568Energie Thun AGGraustrom18,09411,284,63
Bellinzona42'901Azienda Multiservizi Bellinzona (AMB)Casa 25 Tiacqua17,18390,64,39
Köniz BE40'938BKW Energie AGBKW Energy Grey, Doppeltarif23,19527,245,93
La Chaux-de-Fonds38'965Viteos SAB1D18,58422,434,75
Fribourg38'829Groupe E SABASIC Double17,46396,964,47
Schaffhausen36'148Elektrizitätswerk des Kantons Schaffhausen AG EKSDoppeltarif (Minimal)18,21414,014,66
Vernier GE34'983Services Industriels de Genève SIGElectricité Profil Double - Bleu - bonus moyen compris18,52421,064,74
Chur34'880IBC Energie Wasser ChurUniversal 219,57444,935,01
Sion34'353L' Energie de Sion-Région SATarif simple Energie14,14357,863,62
Uster ZH34'319Energie Uster AGMeinstrom plus15,48351,955,37
Neuchâtel33'772Viteos SAB1D18,58422,434,75
Kosten pro 100 km bei einem Auto mit Verbrennungsmotor⁵871,269,8

Der Vergleich zeigt: Die Energiekosten explodieren nicht, wenn man sich für ein Elektro-Auto entschieden hat. Im Gegenteil: Man spart Geld, im Vergleich mit einem brandneuen Benziner sogar rund die Hälfte der Treibstoffkosten. Noch besser sieht die Bilanz aus, wenn man ein älteres Auto mit schlechterer Verbrauchsbilanz durch einen Stromer ersetzt.

Die Schweizer Stromanbieter haben heute eine ganze Palette an Tarifen im Programm. So kann man wählen, wie hoch der Anteil erneuerbarer Energie in der Auto-Batterie ist. Weitere Informationen zum Thema Heimladen – insbesondere, wie man vorgehen soll, wenn man eine Ladestation in der eigenen Garage installieren möchte – finden Sie auf dem e-hub.

Smarte Haustechnik bis in die Garage

Noch nachhaltiger als Wasserkraft aus der Leitung wird der Strom aber, wenn er vom eigenen Hausdach kommt. Die Technologie hat in den letzten Jahren grosse Sprünge gemacht: Die Solarzellen auf dem Dach gliedern sich heute in ein schlaues Netz ein. HEMS heisst das Schlagwort, eine Abkürzung für Home Energy Management System. Statt den überschüssigen Solarstrom einfach zurück ins Netz des Stromanbieters einzuspeisen, können moderne Häuser mit Strom-Management viel mehr.

Smarte Häuser sparen Strom: Solarzellen auf einem Hausdach in Flerden GR. (Keystone/Gaetan Bally)
Smarte Häuser sparen Strom: Solarzellen auf einem Hausdach in Flerden GR. (Keystone/Gaetan Bally)

Ein HEMS macht das Eigenheim smart, vernetzt die Haustechnik vom Boiler über die Ladestation bis zur Wärmepumpe und kommt im Idealfall mit einer eigenen Batterie. Das System erstellt eigene Energieprognosen und lernt dazu, stellt sicher, dass selbst bei Verbrauchsspitzen genug Strom verfügbar ist, ohne dass man auf die Leistungen des Stromanbieters zurückgreifen muss. So sinken die Stromkosten und die Unabhängigkeit steigt. Steuern lässt sich die smarte Haustechnik oftmals per App.


Berechnungsgrundlagen sind die auf der Website der Eidgenössischen Elektrizitätskommission Elcom publizierten Tarife für die Verbrauchskategorie H5. Das Berechnungsmodell geht von 24,35 gefahrenen Kilometern pro Jahr aus (durchschnittliche in der Schweiz gefahrene Strecke gemäss Bundesamt für Statistik) mit einem Audi wie dem Audi e-tron Prototyp, der mit einer 95 kWh-Batterie 400 Kilometer Reichweite hat.

¹ Ständige Wohnbevölkerung (Stand 31.12.2018, Quelle: Statistik der Schweizer Städte 2018)

² Gemäss Stompreisrechner der Eidgenössischen Elektrizitätskommission Elcom

 

³ Verbrauchskategorie H5, 7’500 kWh/Jahr; gemäss Stompreisrechner der Eidgenössischen Elektrizitätskommission Elcom

⁴ Ladekosten pro Jahr (2111 kWh + 7,7% MWSt, in Franken)

⁵ Durchschnittsverbrauch 5,87 l Benzin pro 100 km gemäss Neuwagen-Vergleich 2017; Benzinpreis 1,67 Fr. pro l (Stand Juli 2018)

e-tron News

Technik, Gesellschaft, Mobilität: Bleiben Sie up to date bei den Themen, die uns in Zukunft bewegen.