Muss der Vermieter meine Ladestation zahlen?

E-Mobilität ist die Zukunft, doch die öffentliche Lade-Infrastruktur wächst erst heran. Im Idealfall lädt man das Elektro-Auto über Nacht in der heimischen Garage auf. «Beobachter»-Berater und Jurist Daniel Leiser erklärt, warum es mit dem Kauf eines Verlängerungskabels nicht getan ist.

«Beobachter»-Berater und Jurist Daniel Leiser. (Foto: Paul Seewer)

«Beobachter»-Berater und Jurist Daniel Leiser. (Foto: Paul Seewer)

Ein Elektro-Auto kaufen, in der Miet-Tiefgarage an die Steckdose hängen, der Umwelt etwas gutes tun. Ist es so einfach?
Daniel Leiser: Der Pfuus kommt ja aus der Steckdose, denkt man. Aber so einfach ist es nicht, gerade bei Gemeinschaftsgaragen. Zum Beispiel, weil der Strom nicht separat abgerechnet wird und über den Gemeinschaftszähler läuft.

Anfangs mag das gut gehen, aber irgendwann merkt das der Nachbar mit dem Benziner vielleicht. Und dann gibts Probleme.

Was raten Sie?
Solche Angelegenheiten sollte man immer im Voraus klären. Als Mieter beim Vermieter, als Stockwerkeigentümer bei der Eigentümergemeinschaft. Am besten früh genug – wenn man sich überlegt, ein Elektro-Auto anzuschaffen und nicht erst, wenn man es schon gekauft hat.

Wussten Sie schon? In der eigenen Garage kann man allerlei anstellen. Man kann sie als Bastelraum benutzen, als persönliches Archiv und Museum, als grosse Abstellkammer – oder als Strom-Tankstelle. Am besten natürlich mit Energie vom eigenen Solardach, verwaltet vom eigenen Home Energy Management System. Und am bequemsten mit einer kabellosen Lade-Lösung wie Wireless Charging von Audi.

Muss mir der Vermieter denn eine eigene Stromleitung legen? Oder sogar eine Ladestation installieren?
Nein, das muss er nicht. Aber man kann mit guten Argumenten viel erreichen. Eine Ladestation in einer grossen Garage etwa kommt dereinst womöglich auch anderen Mietern zugute, wenn Elektro-Fahrzeuge noch populärer werden. Die Erfolgschancen hängen natürlich auch mit dem Aufwand zusammen. Wenn man einfach nur eine neue Leitung in einen Kanal ziehen muss, sind sie besser, als wenn die Bauarbeiter kommen müssen.

Haben Mieter Druckmittel?
Man kann natürlich erwähnen, dass man sich bei einem Nein nach einer neuen Wohnung umschauen wird. Mittelfristig macht das ja auch Sinn. Aber je nach Wohnmarkt-Situation sind die Möglichkeiten da sehr eingeschränkt und so eine «Drohung» ist nicht besonders wirkungsvoll.

Und wenn man die Ladestation aus eigener Tasche bezahlt und installieren lässt?
Auch das geht nur mit der Erlaubnis des Vermieters.

Angenommen, der Vermieter gibt sein Einverständnis. Was muss man dann beachten?
Wichtig ist, dass alles schriftlich festgehalten wird. Ist die Zusage bloss mündlich, bekommt man sonst beim Auszug zehn Jahre später und nach einem Vermieter-Wechsel Probleme.

Helfer für Mieter und Hausbesitzer

Transparenz macht alle Glücklich: Wer als Mieter den Eigentümer früh genug involviert, hat kaum Probleme mit der Installation einer Ladestation. Gemäss dem Stromkonzern Alpiq etwa gab es in den vergangenen Jahren dank professioneller Umsetzung der Planung kaum Projektabsagen. Audi-Verkaufsberater zum Beispiel stellen nach einem Vorabcheck beim Kunden automatisch ein Formular für den Vermieter zusammen, damit es mit der Bewilligung klappt. Ausserdem bietet Audi auch intelligente Bedien- und Ladeeinheiten an. Zusammen mit einem Home Energy Management System (HEMS) wird das sinnvolle Last-Management ermöglicht. Verschiedene Elektrizitätswerke empfehlen solche Systeme schon heute. Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass E-Autos mit günstigem Tieftarif-Strom geladen werden.

Am besten ist es, wenn ein qualifzierter Elektriker die Situation vor Ort überprüft und mit der Offerte gleich eine Lösungs-Variante präsentiert. Um den Home-Check zu vereinfachen gibt es ein Pilotprojekt von Alpiq, das mit einer Smartphone-App funktioniert. Ausserdem hat Alpiq den E-Mobility-Rechner entwickelt.

Der Rechner hilft auch bei Photovoltaikanlagen. Denn die E-Mobilitäts-Revolution ist am Nachhaltigsten, wenn der Strom fürs Auto vom eigenen Dach kommt. Und erst noch günstiger ist als jener vom Elektrizitätswerk. Auch hier hilft eine intelligente Stromsteuerung. Sie sorgt dafür, dass der überschüssige Solarstrom, der etwa zur Mittagsspitze anfällt, nicht einfach zurück ins Stromnetz geht. Sondern intelligent gespeichert wird und den Eigenverbrauch – etwa für Heizung, Boiler oder eben das Ladesystem fürs Elektroauto in der Garage – erhöht.

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