Was E-Biker wissen müssen

E-Bikes sind ein erschwinglicher und praktischer Weg, Elektromobilität selber zu erfahren: Mit ein bisschen Zusatz-Schub bei jedem Tritt fährt sichs lautlos, sauber und bequem. Kaufen, aufsitzen und losfahren reicht aber nicht: Für E-Bikes gelten spezielle Vorschriften, die man kennen sollte: Das müssen Sie wissen.

Von Max Fischer

Welche Regeln gelten für Elektrovelos und E-Bikes?

Alle Arten von Elektrovelos gehören zu den Motorfahrrädern. Für die «langsame» Kategorie gibt es zahlreiche Erleichterungen. Diese machen sie rechtlich gesehen fast zum «Velo».

Die «langsame» Kategorie heisst «Leicht-Motorfahrräder»; ihr gehören Fahrzeuge an, deren Motor nicht stärker als 500 W ist und bei 25 km/h aufhört, zu unterstützen.

Sogar die Pannenhilfe kommt mit dem E-Bike: Ein Pilotversuch in Zürich und Genf hat letztes Jahr gezeigt, dass die TCS-Helfer mit dem Strom-Velo schneller ankommen als mit dem Auto. (Keystone)
Sogar die Pannenhilfe kommt mit dem E-Bike: Ein Pilotversuch in Zürich und Genf hat letztes Jahr gezeigt, dass die TCS-Helfer mit dem Strom-Velo schneller ankommen als mit dem Auto. (Keystone)

Die «schnelle» Kategorie heisst «Motorfahrräder»; ihr gehören alle anderen E-Bikes an, deren Motor nicht stärker als 1000 W ist und bei 45 km/h aufhört, zu unterstützen. (Was schneller fährt oder stärker ist, zählt als Motorrad.)

Für die langsame Kategorie gilt (Auswahl):

  • keine Nummer, keine obligatorische Haftpflichtversicherung
  • Anschiebehilfe bis 20 km/h erlaubt
  • keine Helmpflicht
  • Führerausweis M für 14- bis 16-Jährige
  • Kinder-Veloanhänger (für zwei geschützte Plätze) erlaubt
  • Ein Kindersitz erlaubt
  • Befahren von Radwegen obligatorisch
  • Durchfahren bei Mofaverbot erlaubt
  • Befahren von Fussgängerflächen mit «Velo gestattet» erlaubt

Für die schnelle Kategorie gilt (Auswahl):

  • gelbe Nummer erforderlich, obligatorische Haftpflichtversicherung
  • Anschiebehilfe bis 30 km/h erlaubt
  • Helmpflicht
  • Führerausweis M (ab 14 Jahren)
  • Kinder-Veloanhänger (für zwei geschützte Plätze) erlaubt
  • Ein Kindersitz erlaubt
  • Befahren von Radwegen obligatorisch
  • Durchfahren bei Mofaverbot mit abgestelltem Motor erlaubt
  • Befahren von Fussgängerflächen mit «Velo gestattet» mit abgestelltem Motor erlaubt
E-Bikes sind inzwischen sogar berggängig. (Schweiz Tourismus)
E-Bikes sind inzwischen sogar berggängig. (Schweiz Tourismus)

Geschwindigkeit und Tachometer:

Für E-Bikes besteht keine Pflicht, einen Tacho anzubringen. Für die Höchstgeschwindigkeit gilt generell der Grundsatz, wonach die Geschwindigkeit den Umständen anzupassen ist. In einer Tempo-30-Zone gilt die Tempolimite von 30 km/h auch für Velos; wenn hier ein E-Bike-Fahrer mit Tempo 50 erwischt wird, kann er unter Umständen wegen «nicht angepasster Geschwindigkeit» gebüsst werden, auch wenn er keinen Tachometer auf seinem Fahrzeug hat.

Sie haben Tachos an den E-Bikes: Der Gesamtbundesrat an der alljährlichen «Schulreise» im Berner Saaneland 2016.
Sie haben Tachos an den E-Bikes: Der Gesamtbundesrat an der alljährlichen «Schulreise» im Berner Saaneland 2016.

Kauf oder Miete eines E-Bikes sind kein Schnellschuss

Informieren Sie sich bei Freunden nach ihren Erfahrungen. Durchstöbern Sie das Internet und Fachzeitschriften. Schreiben Sie Fragen auf, bevor Sie zu einem E-Bike-Händler gehen. Achten Sie darauf, dass er mehrere Marken im Angebot hat und Sie markenneutral beraten kann. Je mehr Sie fragen, desto besser kann der Händler einschätzen, was Sie benötigen. Der Fahrer muss sich bewusst sein, wozu er das Velo genau einsetzen will. Nur für Ausflüge bei schönem Wetter? Oder jeden Tag als Pendlerfahrzeug, vielleicht noch mit einem Kinderanhänger. Sportliche Fahrer können die schnelle E-Velo-Klasse ausprobieren.

Was ist bei der Ausrüstung wichtig?

Bremsen, Schaltung und Licht sind zentral. Mit dem Elektrovelo ist man meist schnell unterwegs. Deshalb sollte man unbedingt auf gute Bremsen achten. Die konventionelle Felgenbremse hat hier eher Mühe. Es lohnt sich, auf ein hydraulisches System zu setzen oder sogar auf eine Scheibenbremse.

Welcher Motor ist der richtige?

Bei den meisten E-Bikes sind die Motoren heute mitten im Rahmen beim Tretlager. Fachleute halten das für die beste Variante. Wählen Sie gemeinsam mit Ihrem Händler das für Sie geeignete Antriebssystem aus. Es gibt grosse Unterschiede. Deshalb ist eine Probefahrt äusserst wichtig. Gewisse Motoren setzen mit voller Kraft ein, sobald sich die Pedalen drehen. Das kann zum Beispiel vor einer roten Ampel schwierig werden, denn der Motor merkt nicht, dass der Fahrer eigentlich das Tempo verlangsamen will. Die besseren Motorenmodelle haben eine spezielle Steuerung, die auf den Druck auf die Pedale reagiert. Je nachdem wie stark dieser ist, reagiert der Motor stärker oder schwächer. Dadurch lässt sich das Velo viel natürlicher fahren.

Welchen Akku soll man wählen?

Achten Sie beim Akku unbedingt auf einen Markenakku. Dieser bietet Sicherheit und ein langes Akku-Leben. Bei Reichweiten gibt es riesige Unterschiede. Entscheiden Sie nach Ihren Bedürfnissen.

Bei den E-Bikes ist die Schweiz spitze: Marken wie Flyer, Stromer und Stöckli bieten Schweizer Ingenieurskunst an. (Keystone)
Bei den E-Bikes ist die Schweiz spitze: Marken wie Flyer, Stromer und Stöckli bieten Schweizer Ingenieurskunst an. (Keystone)

Ist der Akku am Elektrofahrrad sicher?

Ja! Akkus von E-Bikes bestehen in der Regel aus Lithium-Ionen-Zellen. Diese stecken auch in Laptops, Handys und so weiter. Es gelten daher die gleichen Gebrauchshinweise wie auch für andere Akkus, sprich Schutz vor Sturzschaden oder Überhitzen. Beachtet man also die gängigen Tipps zum Umgang mit Akkus, sind Unfälle leicht zu vermeiden. Falls am E-Bike Akku sichtbare Schäden erkennbar sind, sollte der Fachhändler informiert werden.

Wie teuer ist eine E-Bike-Akkuladung?

Die Kosten für eine Akkuladung sind abhängig vom Akku selbst und vom Strompreis. Daher schwankt der Preis für einen ganzen Ladezyklus meistens zwischen 10 und 20 Rappen.

Wie gross ist die Reichweite bei einer ganzen Akkuladung?

Die Reichweite eines E-Bike Akkus ist von vielen Komponenten abhängig, darunter Akkukapazität, Motor-Effizienz, Batterie-Management-System (BMS), Fahrweise und Fahrer, Gelände, Unterstützungsstufe, Windverhältnisse, Kleidung und Zusatzlast. Daher kann die Reichweite meist kaum genau vorhergesagt werden. Ist zum laut Herstellerangabe die Reichweite eines Akkus bei 80 km, so kann diese um bis zu 30 Prozent schwanken.

Die Schweiz elektrisch erfahren

Die «Herzroute» von Schweiz Tourismus eignet sich besonders für E-Biker. (Schweiz Tourismus)
Die «Herzroute» von Schweiz Tourismus eignet sich besonders für E-Biker. (Schweiz Tourismus)

Um lautlos über die Hügelketten der Voralpen zu gleiten, eignen sich E-Bikes ganz besonders. Auch Schweiz Tourismus greift den Trend auf und hat die «Herzroute» zusammengestellt: In 13 Etappen führt sie über eine 710 km lange Strecke von Lausanne bis nach Rorschach. Sie führt an vielen Miet- und Akkuwechsel-Gelegenheiten vorbei – perfekt für E-Biker. Wer kürzer anfangen will, findet auf der Website von Schweiz Tourismus weitere Streckenvorschläge, die ganz auf Zweirad-Elektromobilität ausgelegt sind.

Wie kann ich meine Akku-Reichweite erhöhen?

Die Akku-Reichweite ist stark abhängig von der Fahrweise des Fahrers. So holen Sie das Maximum heraus:

  • Gleichmässiges Treten
  • Häufiges Stop & Go vermeiden
  • Im ersten Gang anfahren und über die Schaltung immer dafür sorgen, dass man im optimalen Gang fährt (50-60 Umdrehungen pro Minute)
  • Den richtigen Reifendruck haben
  • Nicht immer im höchsten Unterstützungsmodus fahren
  • Den Luftwiderstand minimieren
  • Wenig Zusatzgewicht

Marken E-Bikes kosten oft über 2000 Franken. Reicht nicht auch ein günstiges Velo?

Qualität hat ihren Preis. Auf Grund der zusätzlichen «PS», die Elektrofahrräder haben, müssen die Bremsen, der Rahmen, und das Antriebsystem gut aufeinander abgestimmt und hochwertige verschleissarme Komponenten verbaut sein. Das schlägt sich im Preis nieder, macht sich aber langfristig auf jeden Fall bezahlt.

Was ist mit günstigen Sonderangeboten?

Achten Sie bei den vielen Sonderangeboten, insbesondere im Internet, auf das Modelljahr des E-Bikes und auf das Produktionsdatum des Akkus. Stichwort: Gewährleistung und Garantie.

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